Öland, Gotland und Estland!

Ihr Lieben, danke für eure Geduld!!!

Nun sind wir zwar schon in Estland, ich möchte aber doch noch ein wenig von Schweden berichten. Kaum hatten wir Kalmar den Rücken gekehrt, drückte uns eine sanfte Briese Richtung Norden. Zuerst unter Spi, später musste unser fleißiges Motörchen ran. Die Nacht in Byxelkrok war ruhig, die Sehnsucht nach Gotland groß… . Trotzdem wollten wir die idyllische Bucht an der Nordspitze von Öland nicht auslassen – gut so. Einsamkeit pur am schon leicht maroden Anleger, Dusche und WC noch zu. Traumhaft schön.

Dann morgens früh los, der Sprung nach Gotland betrug 42 sm. So glattes Wasser wie auf dieser Überfahrt hatten wir noch nie auf der Ostsee. Wie auf Spiegelglas glitt ENCANTADA dahin.

Wir sind da!!!

Visby, die Hauptstadt von Gotland hat uns gefallen. Eine wunderschöne Altstadt, coole Hafenatmosphäre und freundliche Menschen. Karge, windgedrückte Landstriche und einfache, manchmal aufgegebene Häuser auf der Insel erzählen von dem sicher nicht immer einfachen Leben der Bewohner.

ENCANTADA im Hafen von Visby

Dann kommen Sven und Katja per Flugzeug auf dem riesigen International Airport an und Til verlässt mich für einige Tage – die Arbeit ruft. So schippern wir zu dritt nach Farösund um von da aus ein Wetterfenster für die 130 Seemeilen (sm) abzuwarten. Möglichst 24 Stunden gutes Wetter und den Wind aus der richtigen Richtung. Aber erst in eine urige Kneipe am Fähranleger. Gleich am Tresen stellt uns der Wirt vor die Wahl: Das Gotländische Ökobier oder das Biobier aus Gotland – wir dürfen probieren. Exotisch, herb und fruchtig, auf jeden Fall ungewöhnlich! Und supersüffig. Wir fühlen uns hier seeeehr wohl und sind die LETZTEN, die sich verabschieden. Am nächsten Morgen (Samstag, 27.5.2017) ist das Wetterfenster da, der Kopf wieder klar! Aber nur bis Sonntag 16:00 h. Dann soll viel Wind kommen. Also wagen wir es, mittags Leinen los und Kurs Ost. Wir haben uns gut vorbereitet, heiße Brühe und Getränke für die Nacht, Wachsystem aufgeschrieben, alles noch einmal gecheckt. Leider ereilt Katja die Seekrankheit bei 1,5 Meter Welle von der Seite recht heftig. Aber auf dem Salonboden, eingekeilt zwischen Tisch und Bank, warm eingepackt, geht es. Tapfer will sie um 22:00 h ihre Wache antreten – Sven und ich schicken sie zurück. Wir wollen das zu zweit durchziehen. Viel Verkehr von Norden und Süden. Frachter, Fähren, Kreuzfahrtschiffe, ständig kommen sie am Horizont auf und sind schnell da. Da heißt es aufpassen und nicht auf seiner Vorfahrt bestehen… 200 m gegen 10,95 m könnte schiefgehen 😉 Was uns fasziniert: es wird nicht ganz dunkel. Die Dämmerung im Westen geht fast nahtlos in den Sonnenaufgang im Osten über. Die Stunden zwischen 02:00 und 05:00 h sind hart. Immer wieder dämmert einer von uns weg, die Kälte kriecht uns in die Knochen und nur der Schlafsack lässt es einen im Cockpit so gerade noch aushalten. Als wir die Südspitze von Saaremaa erreichen, beschließen Sven und ich trotzdem, nicht den nahen Hafen Möntu anzulaufen, sondern gleich weiter nach Kuressaare zu fahren. Zumal die Sonne jetzt wieder wärmt, die Welle verschwunden ist und ein leichtes Lüftchen schiebt. Schön. In Kuressaare angekommen (nach 21,5 Stunden Fahrt) werden wir vom Hafenmeister persönlich empfangen. Er nimmt die Leinen an, zeigt uns die Hafeneinrichtungen und gibt uns alle nötigen Infos. Zahlen sollen wir erst bei Abfahrt… . Hier gefällt es uns sehr, aber erst einmal Frühstück im Hafenrestaurant, duschen, schlafen, ausruhen.